Das weltweit größte Süßwasserreservoir

Das “Heilige Meer” – so nennen die Burjaten ihren Baikal-See. Das weltweit größte Süßwasserreservoir ist Bestandteil des UNESCO-Weltnaturerbes und ein Sinnbild für Russlands faszinierende Natur und schier endlose Weite . Seine Ufer sind zur Hälfte fast menschenleeres und wegeloses Naturschutzgebiet. Ursprünglich wurde das Gebiet am Baikalsee hauptsächlich von den Burjaten besiedelt, die zu den mongolischen Völkern gezählt werden. Viele Kultstätten rund um den Baikalsee zeugen von der uralten Schamanen-Kultur, die sich seit der Zarenzeit mit den Einflüssen von Buddhismus und Christentum vermischt hat. Es geht auch die Sage, Tschingis Khan habe sich im Baikal begraben lassen.

Mit 1.637 Meter ist der Baikal der tiefste See der Erde . 650 Kilometer weit streckt sich der See in einer tektonischen Spalte in Nord-Süd-Richtung, in der Breite sind es im Mittel 50 Kilometer. Bis heute gibt es starke seismische Aktivitäten. Kleinere Erdbeben werden häufig gemessen.

Von über 25 Inseln im Baikalsee ist die Olchon-Insel die größte. Einziger Abfluss am Südende des Baikalsees bei Listwjanka ist die Angara, einer der großen Flüsse Sibiriens, die über den Jenisseij das Wasser in Richtung Nordmeer transportiert.

Der See, in dem ein Fünftel der weltweiten Süßwasser-Reserven gespeichert sind, hat eine eigene Flora und Fauna entwickelt: Von den mehr als 2.000 bekannten Arten sind 1.500 endemisch, das heißt, sie kommen nur in diesem Gebiet vor.

Bekannt sind in diesem Zusammenhang die Baikal-Robbe, die einzige Süßwasserrobbe der Welt, und der Omul, ein zur Gattung der Lachse gehörender Speisefisch. Einzigartig ist auch ein fast durchsichtiger Fettfisch, die Golumjanka, die in grossen Tiefen lebt und sich von Kleinplankton ernährt

Expedition zum Mittelpunkt der Erde

Um fast 1.700 Meter dem Mittelpunkt der Erde näher kam im Sommer 2008 eine Expedition mit Tieftauchgeräten. Ziel der Expedition war unter anderem, die tiefste Stelle des Sees zu vermessen, das Ökosystem im Tiefwasserbereich zu erkunden, aber auch mögliche Bodenschätze zu finden. Die Expeditionsergebnisse sind bisher (Anfang 2009) noch nicht ausgewertet. Expeditionsteilnehmer berichteten, sie hätten in der Tiefe keine Schäden am Ökosystem erkennen können. Die Expedition bereitet allerdings auch den Weg zu einer möglichen künftigen wirtschaftlichen Nutzung des Baikal.

Das einmalige Ökosystem des Baikalsees ist bedroht!

Bedroht wird die Baikal-Region durch die Industrialisierung, Besiedlung, die Abholzung der Wälder und die exzessive Fischerei. International machte Robbensterben am Baikalsee öfter auch international Schlagzeilen. Die Ursachen des Robbensterbens wurden aber bisher nicht eindeutig geklärt.

Besondere Negativ-Schlagzeilen nicht nur in Russland machte das Papier- und Zellulose-Werk in Baikalsk am Südufer des Sees. Das zur Sowjetzeit gebaute Werk produzierte auch für den Bedarf der sowjetischen Rüstungsindustrie.

Schon in den achtziger Jahren forderten sowjetische Umweltschützer die Schliessung der Zellulosefabrik, da die Abwässer im Südteil des Sees zum Absterben des Kleinplanktons geführt hatten. Noch zur Zeit der Gorbatschowschen Perestroika wurden Kläranlagen für den Betrieb nachgerüstet. Das “Zellulosny-Bumaschny-Kombinat” ist aber weiter umstritten.

Im südlichen Bereich des Ostufers wurde das einmalige Ökosystem des Mündungsdeltas der Selenga durch Schadstoffeinträge einer weiteren Zellulosefabrik und von landwirtschaftlichen Betrieben am Unterlauf der Selenga belastet.

Am Nordende des Baikal haben sich bei Sewerobaikals Industriebetriebe angesiedelt, gefördert durch den Bau derEisenbahnlinie Baikal-Amur-Magistrale (BAM), der zu den Prestigeobjekten der Sowjetzeit gehörte.

Besonders umstritten war der geplante Bau einer Erdölpipelinedurch erdbebengefährdetes Gebiet in unmittelbarar Ufernähe. Nach langjährigen Protesten von russischen und internationalen Umweltschützern, die sogar in einer Großdemonstration in Irkutsk mündeten, verfügte Putin 2006, die Pipeline 300 km vom See entfernt jenseits eines Gebirgszuges zu bauen.

Auch zunehmende Besiedlung und Tourismus belasten die Natur rund um den Baikal, besonders im Bereich des Angara-Ausflusses im Süden bei der Ortschaft Listwjanka und weiter nördlich am Westufer in der Nähe der Insel Olchon.

Auch wenn wirklich unberührte Natur am Baikalsee leider immer weniger wird, ist das Ökosystem dennoch weitgehend intakt.

Der Baikalsee verfügt selbst über einen sehr ausgeprägten Selbstreinigungs-Mechanismus: Unzählige Kleinstlebewesen befreien das Wasser von Verunreinigungen und Verschmutzungen, so dass der Baikal glasklar ist und in weiten Teilen Trinkwasserqualität hat.

Reiseziel Baikal und Irkutsk

Kategorie: Allgemein, Aktualisiert am 27. Oktober 2009 von Redaktion | Anmelden